Tandem Fliegen mit Sehbehinderten
Am Samstag, 25. Juni 2005 haben die Flatlanders zusammen mit dem Sehbehinderten Tandemverein Bern (Anm. der Red.: Tandem = Velo) einen Tandemflugtag für Sehbehinderte durchgeführt (Anm. der Red.: Tandem = Gleitschirm). Die Geduld hat sich gelohnt, nachdem sich der Himmel zum Regnen in der Lenk entschieden hatte, kamen in Oberwil ein paar wunderbare Flüge zustande. Der Regen hat uns dann schlussendlich auch in Oberwil wieder gefunden ... es war aber sicherlich für alle ein eindrückliches Erlebinis, das uns bestimmt noch lange positiv im Gedächtnis bleiben wird!
Im Namen der Flatlanders bedanke ich mich ganz herzlich bei der Baloise Bank SoBa, dem Sehbehinderten Tandemverein Bern, so wie meinen Club Kollegen und Freunden, die sich mit viel Engagement für diesen Anlass eingesetzt haben! Namentlich möchte ich mich bedanken bei:
- Baloise Bank SoBa, Sponsor
- Martin Zaugg, Pilot
- Reto Heutschi, Pilot
- Lukas Oertli, Pilot
- Franz Jordi, Pilot
- Schaggi Dévaud, Pilot
- Jürg Zingg, Pilot
- Eveline Keller, Helferin
- Marcel Felder, Helfer
- Manuela und Bastien Dévaud (auch ein zukünftiger Pilot??), Helferin, Unterhalter
- Philippe Leuenberger, wertvoller Koordinator im Hintergrund
- Roland Mäder, Helfer, Reporter
- Christoph Ramser, Reporter
- Jürg Hafner, der zusammen mit mir den Anlass auf die Beine gestellt hat
Ein Bericht wird voraussichtlich in den Medien, sowie im SwissGlider erscheinen.
26.6.2005, im Namen der Flatlanders, Jürg Zingg
Als besondere Überraschung hat uns Lisbeth Käser ihre Erlebnisse in einem Bericht festgehalten. Herzlichen Dank, Lisbeth!!!
Geduld bringt « Tandemflug»
Immer mehr verdichteten sich die Wolken. Dann fing es auch schon an zu regnen,
in der Lenk sogar wie aus Kübeln. Welcher Wetterfrosch hatte sich da wohl
geirrt?
Langersehnte Wünsche sollten heute doch in Erfüllung gehen: Einmal mit einem
Gleitschirm die Welt von oben sehen und das Gefühl von Freiheit spüren können,
wie ein Vogel durch die Luft fliegen.
Die Flatlanders organisierten mit dem Sehbehinderten Tandemverein Bern einen
Flugtag. Am 25. Juni 2005 war es soweit. 6 Sehbehinderte und Blinde (Sylviane
Tinner, Marianne Moser in Begleitung ihres Sohnes Pascal, Doris Stalder, Erich
Steinmann, Roman Heutschi und Lisbeth Käser) und 3 Tandempiloten (Martin
Dietrich, Fredi Vögeli und Jürg Hafner) trafen sich mit motivierten und
erfahrenen Gleitschirmpiloten in der Lenk i.S.. Am Abend zuvor beschlossen die Flatlanders, den Flugtag durchzuführen.
– Und nun waren nur graue tropfende Wolken zu sehen. So leicht waren wir aber
nicht zu entmutigen. Wir besammelten uns um 10 Uhr in der Lenk zu einer
Kaffeerunde und Gipfeli und beobachteten die Wolken. Die Flatlanders waren
voller Hoffnung, dass sich der blaue Himmel doch noch zeigt und alle zu ihrem
Vergnügen kommen. Kurz vor dem Mittag beschlossen wir, uns nach Zweisimmen zu
verschieben, etwas zu essen und das Wetter weiter zu beobachten. Je näher wir
Zweisimmen kamen, um so mehr liess sich die Sonne hinter den Wolken vermuten. In
Zweisimmen angekommen erblickten wir ein blaues Loch am bewölkten Himmel. Unsere
Hoffnung stieg sofort und die Flatlanders gaben als neuen Zielort Oberwil
bekannt. Dort sei der nächste geeignete Start- und Landeplatz. Also nichts wie
los, bevor die Sonne wieder verschwunden ist.
In Oberwil begrüsste uns ein strahlender Sommertag. so dass wir sofort zum
administrativen Teil übergingen, d.h ans Gruppen zusammenstellen und zum
Flugschein ausfüllen. „Ich bin der Franz“ begrüsste mich mein Pilot.
Schaggi fuhr
Franz und mich zum Startplatz „Nassli“. Dort lag unser Schirm bereits ausgelegt
auf dem Gras. So konnten wir uns gleich in unsere Dress stürzen und die
„Gstältil“ anziehen um sich damit an den Gleitschirm zu hängen „Wenn wir dann in
der Luft sind, kannst du dich aufs Brett setzen, welches sich in diesem
„Gstältli“ befindet“, erklärte mir Franz. Zuletzt setzte ich auch noch einen
Helm auf, welcher mir wie vorbestellt passte. Dann machten wir eine Trockenübung
zum Starten. Franz erklärte: „Ich zähle 3, 2, 1 und wir machen ein paar
Schritte, bleiben stehen damit ich den Schirm beobachten kann und richten, und
dann geht’s weiter mit laufen bis uns der Schirm in die Luft trägt.“ – Das hört
sich alles so einfach an, aber einen Abhang hinunter springen und wieder
anhalten, auf feuchtem Gras... Naja, Mariann hat es auch geschafft vor mir, dann
werde auch ich es schaffen, dachte ich für mich.
Franz kontrollierte nochmals alle Haken, prüfte die Windverhältnisse und dann
gab er das Startkommando... Drei, vier schnelle Schritte, dann ein Versuch zum
anhalten, weitere Schritte folgten und - plötzlich lag ich im Gras und der
Schirm deckte uns zu. Mein erster Startversuch war misslungen, es konnte also
nur noch besser kommen. Nun hiess es abschnallen und den Hang wieder hinauf
gehen. Helfende Hände liessen mich Maulwurf-Haufen überwinden und andere
Unebenheiten im Gras. Auch wenn mir der Abbruch des ersten Startes die
Motivation zum Fliegen nicht nahm, so taten ermunternde Worte der Helferinnen
doch sehr gut. Der Schirm musste erneut ausgelegt werden und alle dazugehörenden
Schnüre. Franz schnallte uns ein zweites Mal an den Schirm, wiederum
Sicherheitskontrolle vor dem Start. Startbereit warteten wir auf den nächsten
Aufwind, dann gab Franz zum zweiten Mal das Kommando: „3, 2, 1 und laufen“ Der
Boden entfloh unter meinen Füssen, ein kurzer Aufschrei und wir waren in der
Luft. „Hey Lisbeth, wir fliegen“ waren die Worte von Franz. Es war ein
herrliches Gefühl, über dem Simmental schweben zu können! Ringsum den Horizont
zu beobachten und sich von Franz die Umgebung erklären zu lassen. Ich fühlte
mich auf meinem Sitz sehr wohl, fast wie im Polstersessel zu Hause. So konnte
ich diesen Flug richtig geniessen, die Startschwierigkeiten waren längst
vergessen!. Leider war das Vergnügen viel zu schnell zu Ende! Auf der Wiese
neben der Kirche in Oberwil sind wir gelandet. Kurz vor der Landung erinnerte
mich Franz daran, die Beine anzuziehen, da wir bequem im Sitzen wieder auf die
Erde zurückkehrten. Da stand auch schon der Fotograph bereit, welcher die
Gratulation von Franz an mich, zum ersten Gleitschirm Tandemflug im Bild
festhielt, und hoffentlich auch das Dankeschön meinerseits an den Piloten Franz!
Ich hatte volles Vertrauen zu ihm! Nochmals einen herzlichen Dank für den
wunderschönen Flug, Franz!
Leider hielt die Schönwetter-Phase nicht lange genug an, dass alle zum
Flug-Vergnügen kamen. Ausgerechnet die Präsidentin des Tandemvereins, Sylviane,
welche die ganze Organisation für den Verein auf sich nahm, musste den
Startplatz wieder mit dem Auto verlassen. Auch Fredi gehört zu denjenigen
Personen, welche sich auf ein anderes Mal vertrösten müssen..
Ich möchte es nicht unterlassen, allen ganz herzlich zu danken, welche zum
Gelingen dieses Anlasses in irgend einer Form beigetragen haben. - Dieser Dank
geht auch an Petrus - Geduld bringt eben nicht nur Rosen...sondern manchmal auch
Flugvergnügen.